Ushguli – zu Besuch im höchsten Dorf Europas

Ein Blick auf Google Maps verrät: Kurz nach Mestia hört die Straße auf. Tatsächlich ist die Schotterstraße nach Ushguli die Hälfte des Jahres wegen starkem Schneefall nicht befahrbar – das Dorf ist im Winter sozusagen von der Außenwelt abgeschnitten. Wie gut, dass es Sommer war und wie gut, dass es 4×4 Fahrzeuge gibt!

Der Weg nach Ushguli – Luftlinie ungleich geschlängelte Straße ungleich Fahrtzeit

Über Nacht hatte es in den Bergen von Swanetien geregnet. Überhaupt wechselt das Wetter hier alle drei Minuten. Von knallender Sonne inklusive hoher Sonnebrandgefahr bis hin zum tosenden Gewitter war eigentlich alles vertreten – innerhalb von einer Stunde. Der starke Regenfall hatte den Zustand der Straßen enorm verschlechtert, sodass wir hin und wieder einen kleinen Fluss mit dem 4×4 überwinden mussten. Die ungefähre Fahrtzeit von Mestia bis Ushguli beträgt ca. zweieinhalb Stunden.

Ushguli ist UNESCO Weltkulturerbe

Die Altstadt von Ushguli wurde von der UNESCO ausgezeichnet. Ok, alt ist hier gefühlt eh alles – und Stadt ist hier gefühlt nichts. Aber sagen wir, der ältere Teil Ushgulis ist Weltkulturerbe.

Alter Teil Ushgulis

Alter Teil Ushgulis

Neuerer Teil Ushgulis

Neuerer Teil Ushgulis

Aufs falsche Pferd gesetzt

Kommen wir zurück zu unserem Plan. Da J. ebenfalls mit von der Partie war bei unserem Tagesausflug, galt es stets, ihn abzuhängen. Wir hatten herausgefunden, dass er Pferde nicht sonderlich leiden konnte – gut, ich auch nicht, aber manchmal muss man für sowas eben in den sauren Apfel beißen. J. fragte uns die ganze Zeit, wo wie langwandern wollten in Ushguli und wir sagten nur: sorry, aber wir wollen reiten. Chacka.

Gesagt, getan. Zwei J.-freie Stunden standen uns bevor. Doch ihr kennt das ja – hat man ein Problem gelöst, steht schon das nächste vor der Tür. Ein junger Georgier, wohnhaft in Ushguli und sein alter Cousin warteten schon mit zwei verwirrten Pferden auf uns. Am Anfang war es ganz chillig und wir trotteten langsam Richtung Prärie.

Aber dann dachte sich der alte Cousin, dass ihm das doch alles ein bisschen mehr bringen könnte und wurde handgreiflich. Ich glaub, ich habe noch nie so grässlich und laut auf Russisch geflucht wie an diesem Tag. Am Ende habe ich ihn sogar vom Pferd runtergezwungen – aber ich glaube, selbst das hat er nicht verstanden. Trotz der schönen Landschaft war der Ausflug als doch eher ein Trip vom Regen in die Traufe gewesen.

Big Brother is watching you

Auf dem Rückweg zum Auto trödelten wir. Wir waren hungrig, etwas sauer und außerdem wollten wir uns das Dörfchen noch ein wenig ansehen.

Doch wir wurden bereits erspäht – beziehungsweise – man kannte sich (mal wieder) im Dorf. Also wurde Haus für Haus abtelefoniert, wo sich die beiden Deutschen denn herumtreiben würden. Bald hatte man uns auch schon entdeckt (ist ja auch nicht so schwer bei der Größe von Ushguli). Also eilten wir mit heißem Hatschapuri in den Händen zurück zum Auto – denn es ging zurück nach Mestia. Und J. wartete schon sehnlichst darauf, uns zweieinhalb Stunden von seiner Wanderung zu berichten.

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Ein Gedanke zu “Ushguli – zu Besuch im höchsten Dorf Europas

  1. Pingback: Swanetien: Links der Abgrund, rechts Felsbrocken | Sarah Kolumna

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