Über den Dächern von Kashan

Wir kletterten die Hühnerleiter zurück in den Teppichverschlag. Die Tür war geschlossen, nur wenig Licht drang in den vollgestopften Raum. Plötzlich packte der alte Mann mich am Arm und hielt mich fest.

Von Teheran nach Kashan, von liberal nach konservativ

Aber beginnen wir dort, wo wir aufgehört hatten. Aufgehört hatten, unsere Kopftücher zurechtzuzupfen, aufgehört hatten uns über so manche Sachen zu wundern und aufgehört hatten, die unglaubliche Gastfreundschaft der Iraner anzuzweifeln: Teheran. Nun hatten wir es aber tatsächlich geschafft, die iranische Hauptstadt zu verlassen – denn, merkt euch eins: Wenn ihr während eurer Reise Iraner kennelernt und sie euch in ihr Herz schließen, lassen sie euch nicht mehr gehen.

Landschaft zwischen Teheran und Kashan

Landschaft zwischen Teheran und Kashan

Von der Metropole geht es in die Provinz, nach Kashan – eine Kleinstadt rund dreieinhalb Stunden südlich von Teheran. Schon auf dem Weg von der Busstation ins Hostel merke ich, dass der Dresscode hier ein anderer ist und ich zu freizügig unterwegs bin. Denn auf den Straßen sind die Frauen größtenteils im schwarzen Chador unterwegs – bei 30 Grad im Schatten.

Es ist nicht leicht, ein Star zu sein…

Im Hostel angekommen verabschieden wir uns von Laura, unserer Weggefährtin aus Teheran. Danach begeben wir uns selbst auf einen Streifzug durch die Stadt – natürlich nicht ohne Kuriositäten.

Auf der Straße grüßt uns jeder. JEDER. Man reicht uns Brot, schenkt und Granatäpfel. Egal wo wir langgehen, die ganze Aufmerksamkeit ist auf uns gerichtet. Unser Outfit wird begutachtet, das Englisch aufpoliert, Fotos gemacht mit dem Baby, dem Hund, der Tante. Welcome to Iran, welcome to Kashan tönt es aus allen Ecken. Wir fühen uns wie Popstars.

Durch Zufall gelangen wir in eine Backstube. Hier wird das Brot frisch im Ofen auf heißen Kieselsteinen gebacken. Anschließend wird der Brotleib auf einem Drahtgestell von den Steinen befreit. Die Bäcker sind begeistert, weil wir so begeistert sind. Und wir freuen uns so, weil sie sich freuen. Dann bekommen wir ein riesiges Brot in die Hand gedrückt. Es ist so wahnsinnig lecker. Steinbrot, so beschließen wir, ist das beste iranische Brot.

Hoch über den Dächern, tief zwischen den Fäden

Kennt ihr das, wenn ihr einen Film schaut und genau wisst, dass der Protagonist nicht alleine in das dunkle Haus gehen sollte, in dem der böse Wolf auf ihn wartet, aber ihr gleichzeitig nichts tun könnt? Ja, so ähnlich war das wohl.

Mit unserem riesigen Brotfladen in der Hand stolpern wir durch die engen Gassen des Bazars, als uns ein alter Mann fragt, ob wir Fotos machen wollen. Ja, warum nicht. Er führt uns in einen dunklen Teppichverschlag, von dem zwei Hühnerleitern hinauf aufs Dach führen. Beim Hochklettern merken wir schon, dass der Mann komisch ist. Aber jetzt erstmal Fotosession auf den Dächern von Kashan!

Kashan

Kashan

Kashan

Kashan

Wir kletterten die Hühnerleiter zurück in den Teppichverschlag. Die Tür war geschlossen, nur wenig Licht drang in den vollgestopften Raum. Überall lagen Säcke mit Fäden.

Rumpelkammerlein

Rumpelkammerlein

Fäden, so viele Fäden. Plötzlich packte der alte Mann mich am Arm und hielt mich fest.Als ich mich wehrte packte er auch Rebecca und zog uns zu sich. Ich schaffte es zur Tür und zusammen liefen wir zurück auf den leergefegten Bazar. Jetzt aber schnell weg hier.

Und was habt ihr in der Zwischenzeit so gemacht?

Schlussendlich hatten wir uns wieder einmal verirrt. Und wir hatten Hunger. Hunger und verirrt gleich totale Desorientierung und Lethargie. Also ging ich in die Apotheke, um nach dem Weg zu fragen. Der Apothker malte liebevoll eine kleine Karte für mich auf, als ein Kunde hineinkam und sagte, er könne uns zu einem Restaurant fahren.

Und das tat er auch. Gerade als wir vor dem Reaturant hielten, erspähten wir Laura in der Eingangstür. Wir waren durch Zufall wieder vereint! Beim Mittagessen erzählte sie uns von den Sehenswürdigkeiten, die sie angeschaut hatte. „Und was habt ihr in der Zwischenzeit so gemacht?“ Ähm…

Und das kann man noch so in Kashan sehen

Fin Garden (etwas außerhalb der Stadt, man muss ein Taxi nehmen. Vorher am besten Festpreis für Hin- und Rückfahrt verhandeln)

Agha Bozorg Moschee

Agha Bozorg Moschee Kashan

Agha Bozorg Moschee Kashan

Traditional Houses (ca. drei Euro Eintritt)

Traditional House Kashan

Traditional House Kashan

 

 

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Ein Gedanke zu “Über den Dächern von Kashan

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